Echte Tiefe braucht kein glitzerndes Gewand.

Ehrlich gesagt: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das hier wirklich tun soll.

Sich seelisch so nackt auszuziehen, wie ich es auf dieser Seite mache, macht man nicht mal eben so nebenbei. Meine Texte sind lang, sie sind intensiv und sie gehen dorthin, wo es wehtut. Aber ich habe mir die Mühe gemacht, all das aufzuschreiben – nicht, um Mitleid zu sammeln oder zu jammern. Das ist das Letzte, was ich will.

Ich tue es, weil ich dir zeigen will, dass ich weiß, wie sich der Abgrund anfühlt. Ich habe das alles nicht in irgendeinem schlauen Lehrbuch gelesen – ich habe es selbst durchlebt, Schicht für Schicht.

Ich weiß, dass es Leute geben wird, die darüber lästern. Es wird immer die geben, die sich amüsieren oder sich wichtig machen müssen, weil ihr eigenes Leben scheinbar nicht genug hergibt. Ganz ehrlich? Sollen sie. Das ist der Preis, den ich gerne zahle. Wenn meine Geschichte auch nur einer einzigen Person da draußen das Gefühl gibt, nicht mehr allein zu sein, dann war es jedes Wort wert.

Ich habe keine Lust auf dieses ganze nachgeplapperte Zeug, das man an jeder Ecke hört. Große Reden schwingen können viele, aber meist steckt nichts dahinter außer heißer Luft. Ich will dir hier nichts vorspielen oder irgendetwas nachmachen, das gerade ‘in’ ist. Ich zeige dir hier mein echtes Gesicht, damit du weißt, woran du bei mir bist. Ohne Filter und ohne Maske – weil Vertrauen für mich nur so funktioniert.

Wo andere wegschauen,
fühle ich hin.

Ich bin hochsensibel und zutiefst empathisch. Das klingt in spirituellen Kreisen immer nach Glitzer und Feenstaub, aber im Alltag ist es oft einfach nur verdammt intensiv. Für mich ist das Leben kein ‘leises Hintergrundrauschen’, sondern ein Erlebnis, das immer auf voller Lautstärke läuft.

Ich besitze nicht diese dicke Haut, die viele wie einen schützenden Wintermantel tragen. Bei mir kommt alles ungefiltert durch. Grelle Lichter, kreischende Geräusche, beißende Gerüche oder Hitze sind für mich keine gewöhnlichen ‘Reize’ – sie sind wie ungebetene Gäste, die einfach die Tür eintreten. Sie klopfen nicht höflich an, sondern stehen sofort mitten im Raum.

Wenn meine Umgebung dann zu laut oder zu fordernd wird, schaltet mein Körper auf Alarmmodus. Das fühlt sich nicht nach ‘ein bisschen viel Stress‘ an, sondern nach einer totalen Überwältigung, die bis zur Panik gehen kann. Mein Körper fragt mich da nicht nach meiner Meinung – er drückt einfach den roten Knopf und ich möchte am liebsten nur noch die Stopp-Taste finden.

Diese Sensibilität macht auch vor meiner Seele nicht halt. Wenn ich sehe, wie oberflächlich und gefühlskalt es oft zugeht, trifft mich das zutiefst. Die Art, wie grausam Menschen miteinander umgehen, schockiert mich nicht nur im Kopf – ich fühle das ganz unmittelbar im Körper, wie einen Stich ins Herz oder einen dumpfen Druck im Magen.

Es ist, als ob alles in mir unmittelbar auf die Schwingungen um mich herum reagiert. Ich spüre jede Energie, sogar das Wetter – und zwar so körperlich, dass ich mir keine Scheinwelt aufbauen kann. Während andere über Dinge hinwegsehen oder sich die Welt schönreden, habe ich diese Wahl nicht. Mein ganzes Wesen meldet mir sofort, wenn etwas nicht zu 100 Prozent stimmig ist.

Das macht mich für viele ‘unbequem’. Ich bin oft diejenige, die aneckt, weil mir niemand etwas vormachen kann. Ich durchschaue die glücklichen Fassaden und die künstliche Harmonie, hinter der sich so viele verstecken. Für mein Umfeld ist das oft schwer zu ertragen, weil ich die Wahrheit spüre, lange bevor das erste Wort gesprochen wurde. Ich kann nichts ‘aushalten’, was sich für mich falsch anfühlt – meine Intuition lässt es einfach nicht zu, diese Lüge mitzuspielen.

Dieses ständige Aufnehmen und Mitfühlen kostet mich unheimlich viel Kraft. Dinge, die für andere völlig normal wirken, sind für mich oft eine echte Herausforderung. In dieser lauten Welt bin ich schlichtweg nicht so ‘widerstandsfähig’ wie andere – einfach, weil alles in mir permanent auf Hochtouren arbeitet. Mein Inneres braucht viel mehr Zeit, um diese Flut an Eindrücken zu sortieren, als ein Gehirn mit eingebautem Filter.

Pausen sind für mich deshalb kein Luxus und schon gar keine Faulheit. Viel Ruhe und Schlaf sind für mich überlebenswichtig, um meinen Akku wieder aufzuladen. Mein Körper braucht diese Stille wie die Luft zum Atmen. Nur in diesem Rückzug kann ich die Welt wieder ordnen, bis ich spüre: Jetzt bin ich wieder ganz bei mir.

Eine Seele lässt sich nicht passend biegen.

Ich bin in einer Welt großgeworden, in der es vor allem um Leistung, Geld und das Materielle ging. Gefühle? Die waren eher im Weg und galten als anstrengend und überflüssig. Mir wurde damals oft gesagt, ich sei einfach ’zu empfindlich’. Während von mir erwartet wurde, dass ich funktioniere, sah es in mir ganz anders aus. Ich hatte Werte und Gefühle im Gepäck, die in dieses harte laute Umfeld einfach nicht reinpassen wollten.

Lange Zeit war das wie ein roter Faden in meinem Leben: Ich bin immer wieder genau dort gelandet, wo Leistung alles war und mein ‘echtes Ich’ keinen Platz hatte. Ich habe versucht, dort mitzuhalten, mich anzupassen und die Zähne zusammenzubeißen. Aber ich war in diesen Umgebungen einfach nicht so ‘belastbar’ wie die anderen – schlichtweg, weil ich gegen meine eigene Natur gekämpft habe.

Wenn man die Welt nicht so intensiv wahrnimmt wie ich, kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie verdammt anstrengend schon ein stinknormaler Dienstag im Supermarkt sein kann. Aber das eigentlich Skurrile daran ist: Man wird oft behandelt wie ein Aussätziger vom Planeten ‘Zu-viel-fühlen’.

Anstatt sich auch nur ansatzweise die Mühe zu machen, meine Welt zu verstehen, wurde mir einfach abgesprochen, dass meine Gefühle überhaupt echt sind. Da kamen dann Sätze wie: ‘Das gibt’s doch gar nicht’ oder ‘Das glaub ich jetzt einfach nicht, stell dich nicht so an’. Rücksicht? Verständnis? Fehlanzeige. Es war, als müsste ich mich ständig dafür rechtfertigen, wie ich eben bin, nur weil ich Dinge mitkriege, die für andere gar nicht da sind.

Stattdessen bekam ich den glorreichen Rat, ich solle doch bitteschön lernen, einfach ‘nicht so tief zu fühlen’. Als gäbe es in mir einen praktischen Dimmer-Schalter, den ich nur kurz auf ‘Normal-Null’ drehen muss, um endlich so wunderbar oberflächlich und robust durch den Alltag zu marschieren wie alle anderen.

Lange Zeit hat man mir eingeredet, meine Offenheit und Tiefe seien einfach falsch an mir – eine Schwäche, die man dringend mal ‘reparieren’ oder ‘wegmachen’ muss. Man wollte mich passend biegen für eine Welt, in der meine Antennen einfach keinen Platz hatten. Aber eine Seele lässt sich nicht wegoperieren und eine tiefe Wahrnehmung lässt sich nicht einfach abstellen.

Als meine Welt stillstand – und alle anderen einfach weiterliefen.

Meine Mutter beim Sterben zu begleiten, hat für mich alles verändert. Es war kaum auszuhalten, sie so leiden zu sehen und absolut nichts tun zu können. Ich musste zusehen, wie es ihr jeden Tag schlechter ging, bis sie schließlich fort war.

Mit gerade mal 26 Jahren habe ich dann versucht, das Unmögliche zu stemmen: Ich wollte die Lücke füllen, die Familie zusammenhalten und der Fels sein, an dem alle anderen andocken können. Aber die Realität war: In dieser Zeit fühlte es sich an, als würde mit meiner Mama auch mein eigener Lebenswille einfach schwinden. Während ich für alle die Starke gespielt habe, hätte ich eigentlich selbst jemanden gebraucht, der mich hält.

Das Schlimmste war aber, dass mit ihr nicht nur ein Mensch ging, sondern das komplette Familienband einfach riss. Da war plötzlich nur noch Gefühlskälte und Gleichgültigkeit untereinander, bis der Kontakt fast ganz einschlief. Mir hat das das Herz gebrochen – dieser Zusammenhalt war für mich alles, und plötzlich stand ich vor dem Nichts.

Und während meine Welt komplett stillstand, taten alle anderen so, als wäre nichts. Das Leben ging für sie einfach normal weiter. Ich durfte mir Sätze anhören wie: ‚Es war halt ihr Weg‘ oder ‚Das Leben muss doch weitergehen‘. Dass ich jetzt ‚lange genug getrauert‘ hätte und gefälligst wieder normal funktionieren solle, wurde mir schon nach ein paar Wochen klargemacht.

Mein Sohn – mein größter Lehrmeister.

Nach 14 Jahren trennten sich die Wege vom Vater meines Sohnes und mir. In diesem Moment zerbrach weit mehr als nur eine Beziehung – es war das Ende einer Hoffnung, die ich mein ganzes Leben lang mit mir herumgetragen hatte. Da es in meiner Familie früher alles andere als harmonisch war, war mein größter Wunsch, es für meine eigenen Kinder besser zu machen.

Nachdem ich drei kleine Seelen wieder gehen lassen musste, war Samuel mein absolutes Wunschkind. Mein einziges Kind. Für ihn wollte ich unbedingt diese heile Welt erschaffen, die ich selbst nie hatte. Ich habe jahrelang alles gegeben und viel zu viel ausgehalten, nur um diese Illusion von Familie irgendwie aufrechtzuerhalten. Ich wollte einfach nicht wahrhaben, dass das Interesse meines Ex-Mannes schon während der Beziehung allem anderen galt als Samuel und mir.

Mit der Trennung ist dieses ganze Bild, an das ich mich so geklammert habe, brutal zusammengebrochen. Er entzog sich jeder Verpflichtung, verweigerte jeden Kontakt – und von heute auf morgen stand ich mit der gesamten Verantwortung für Samuel und unseren Alltag komplett alleine da.

Jeder, der diesen Weg schon einmal gegangen ist, weiß: Das ist kein Spaziergang. Es war eine Zeit, die mich an meine Grenzen gebracht hat. Samuel war schon immer anders, seinen Altersgenossen weit voraus und dadurch ein leichtes Ziel für Ausgrenzung und Mobbing. Es hat mir das Herz zerrissen, wieder nur daneben stehen zu können, während mein Kind leidet. Diese Schuldgefühle und der Schmerz darüber, ihm nicht helfen zu können, waren zeitweise kaum zu ertragen. 

Und als wäre das nicht genug, durfte ich mir von anderen anhören, ich sei eine schlechte Mutter. Ich sei nicht streng genug oder würde ihn ‚zu weiblich‘ erziehen. Während ich versuchte für meinen Sohn die Welt zusammenzuhalten wurde im Außen fleißig über mich geurteilt. 

Als Samuel dann älter wurde und klar war, dass er auf Männer steht, kam der nächste Schlag: Ich musste mir ernsthaft anhören, ich sei ‘schuld’ daran. In einem kleinen Dorf, wo Vorurteile oft schwerer wiegen als Mitgefühl und man sich hinter vorgehaltener Hand das Maul zerreißt, war das alles andere als leicht. Aber es hat mir wieder einmal gezeigt, wie grenzenlos die Dummheit und die Kälte mancher Menschen sein können.

Dass ich Samuel so sehr liebe, war am Ende das Einzige, was mich immer wieder hat aufstehen lassen. Er ist mein größter Lehrmeister. Durch ihn habe ich kapiert, was bedingungslose Liebe wirklich bedeutet – gerade dann, wenn es verdammt schwierig ist. Er hat mir gezeigt, dass man auch dann noch einen Schritt weitergeht, wenn man eigentlich nur noch müde ist und nicht mehr kann. Durch Samuel habe ich gelernt, was es heißt, ein echter Anker zu sein. Erst für ihn, und irgendwann dann auch endlich für mich selbst.

Von Engeln, Frequenz-Dingsda und dem teuren Märchen vom Hinfühlen.

In meiner großen inneren Zerrissenheit bin ich damals tief in den Dschungel der Hilfsangebote und in die esoterische Szene eingetaucht. Da draußen werben unzählige Versprechen, die in meiner Not unglaublich verlockend klangen.

Einerseits wollte ich einfach nur, dass mich jemand so hinkriegt, dass ich endlich richtig funktionieren kann. Ich wollte mich nicht mehr dafür schämen müssen, mich so ‚falsch‘ und ‘schwach’ zu fühlen – ich wollte kein Außenseiter mehr sein. Andererseits war da diese riesige Sehnsucht, in diesen Kreisen endlich Gleichgesinnte zu finden, die die Welt mit demselben Herzen sehen wie ich. Es wird dort ja immer so viel von Herz und Liebe geredet.

Ich habe wirklich alles Mögliche und Unmögliche mitgemacht, unzählige Methoden getestet und ein Seminar nach dem nächsten besucht. Aber ich kann dir sagen: Weder irgendein Erzengel, aufgestiegener Meister noch eine magische Aura-Essenz zum Sprühen haben es geschafft, mein tiefes Fühlen einfach ‚wegzuzaubern‘ – so sehr ich mir das damals auch gewünscht hätte.

Mir wurde mit sanfter Stimme und mitleidigem Blick erklärt, meine Seele hätte sich dieses Leid als ‚spannende Lernaufgabe‘ selbst ausgesucht. Wahlweise hatte ich auch noch ein paar Brocken von schlechtem Karma aus einem Leben als Hexe im Mittelalter abzuarbeiten. Mir wurde sogar gesagt, ich sei früher mal als Dämon inkarniert gewesen – daher käme meine ‚innere Dunkelheit‘. Das klingt alles wahnsinnig spektakulär, meinte aber schlichtweg meine Traurigkeit und dass mir nach all dem Mist die Lebensfreude fehlte.

Hinter all dem Glitzer und dem spirituellen Getue begegneten mir meistens nur die immer gleichen, hohlen Phrasen. Sätze wie ‚Du musst ja nur positiv denken‘ oder ‚Du ziehst das an, was du ausstrahlst‘ ließen mich noch mehr an mir zweifeln – denn bei mir wollte das esoterische Dauergrinsen einfach nicht einrasten. Ich, die sich ohnehin schon so falsch fühlte, glaubte am Ende natürlich auch noch, dass das alles mein eigenes Versagen sei. Dass ich jetzt auch noch schuld an meinem eigenen Schlamassel sein sollte, nur weil meine ‘Schwingung’ nicht stimmte, hat den Druck massiv erhöht, statt Frieden zu bringen.

Ich habe Unsummen für so ein magisches Frequenz-Ding ausgegeben, das per Knopfdruck alles wieder heil machen sollte, aber am Ende nur meinen Kontostand geschrumpft hat.

Besonders schräg wurde es für mich, als ich an die selbsternannten ‘Spezialisten’ und ‘Kings der Achtsamkeit’ geriet. Ich habe ernsthaft 300 Euro und mehr pro Sitzung hingeblättert – mal bei einer Coaching-Dame, die großspurig tönte, wie viel Ahnung sie von Trauma und dem Nervensystem hätte, mal bei einem Neurobiologen. Doch am Ende war die Botschaft immer dieselbe: Ich solle meinen Schmerz und die Dunkelheit doch ‘einfach annehmen’, ‘da durchgehen’ und ‘hin fühlen’.

Für mich als HSP ist das Leben ein einziger Dauerzustand von Hinfühlen. Ich bin so und so permanent auf Empfang, ob ich will oder nicht. Dass mir dann jemand für für diesen stolzen Stundenlohn ernsthaft als ‘Heilung’ verkaufen will, ich solle mal ‘fühlen’, ist eigentlich schon mehr wie dreist. Als bräuchte ich eine Anleitung für das, was ich ohnehin in jeder wachen Sekunde meines Lebens tue.

Da saß ich Menschen gegenüber, die im Netz die tollsten Sprüche posten, aber mir gegenüber in der Sitzung so unfassbar unachtsam waren, dass es richtig wehtat. Während sie mir stolz von ihrem ‘Herzensbusiness’ erzählten, fühlte ich mich mit meinem Schmerz am Ende doch wieder komplett allein gelassen – meistens genau in dem Moment, in dem die Überweisung durch war. Ich weiß heute aus bitterer Erfahrung, wie dieses ‘Hinfühlen’ zum teuren Abo-Modell ohne echten Inhalt wird. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer seine Heiligenschein-Show so laut vor sich herträgt, hat das Herz für den Menschen vor sich meist schon längst verloren.

Der absolute Höhepunkt war jedoch erst vor Kurzem ein Seminar bei einer Frau, die sich selbst als ‘Leuchtturm’ bezeichnete. Dort wurde ein gefährlicher Mix aus Ahnenarbeit, einer dubiosen Ausstreichtechnik am Körper, die mal eben jedes Trauma ‘löschen’ sollte, und einer sehr fragwürdigen Medizin serviert.
Dass dort Menschen vor meinen Augen völlig die Fassung verloren haben und es ihnen danach schlechter ging als vorher, wurde beinhart als ‘Heilungssymptom’ abgetan. Da wurde mir klar: Diese Art von ‘Hilfe’ ist das Letzte, was wir brauchen. Nach diesem Erlebnis war ich eines ganz gewiss: endgültig geheilt von all diesen selbsternannten Heilern.

Dualseelen-Märchen & feige Ausreden: Ich bin kein Pflaster für kaputte Egos mehr.

Natürlich bin ich damals auch voll auf den Zug mit den Dualseelen aufgesprungen. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als eine tiefe, echte Verbindung – einen Seelengefährten. Aber dieses Konzept war am Ende nur eine hübsche Verpackung für mein altes Muster: immer wieder benutzt und fallengelassen zu werden. Es war eigentlich immer dasselbe Spiel: Kaum war einer dieser Männer auf der Bildfläche, ging auch schon die ganz große Seelenpartner-Show los.

Ich schien diese Typen magisch anzuziehen, die immer genau dann in meinem Leben auftauchten, wenn sie gerade eine ordentliche Runde Trost brauchten. Nach außen haben sie den harten Kerl markiert, während sie sich innerlich völlig verloren fühlten. Sie hingen noch an der Ex, steckten in einer kaputten Beziehung oder hatten gerade eine Abfuhr kassiert. Oder sie waren eben mit ganz anderem emotionalem Ballast vollgestopft, den sie allein nicht bewältigt kriegten.

Mir wird immer wieder gesagt, dass Menschen bei mir scheinbar sofort spüren, dass ich ein tiefes Mitgefühl besitze und sie bei mir sicher sind. Sie merken schnell, dass sie mir nichts vormachen müssen und ich ihnen mit einer natürlichen Wärme begegne, die sie woanders oft vermissen. Für diese Männer war diese Geborgenheit wie eine Einladung, sich endlich mal fallen zu lassen, weil sie sich bei mir zum ersten Mal wirklich gesehen, verstanden und wertvoll fühlten. Weil ich ihnen mit echtem Interesse zugehört habe und sie bei mir diese bedingungslose Zuwendung fanden, die sie von ihren Frauen oder aus ihrem Alltag überhaupt nicht kannten, fühlten sie sich bei mir wie im siebten Himmel.

Es wurde sofort mit den ganz großen Worten um sich geworfen: Ich war die ‘ganz große Liebe’, der ‘ewig gesuchte Seelenpartner’ und so eine Frau wie mich hätten sie ja sowieso noch nie getroffen. Und ich? Ich hab es natürlich voll gefressen, weil es mitten ins Herz ging. Dass ich für diese Kerle angeblich so unbeschreiblich ‘besonders’ war, fühlte sich anfangs natürlich wie das ganz große Schicksal an. Ich bin jedes Mal wieder mit Anlauf darauf reingefallen, einfach weil ich so unendlich froh war, dass dieser ganze Sehnsuchts-Kram endlich ein Ende hatte.

Aber der Zauber hatte leider ein ziemlich kurzes Verfallsdatum. Die große Euphorie ist nämlich immer genau dann schlagartig verflogen, wenn sie merkten, dass meine Tiefe auch ordentlich an ihren Ängsten und dem ganzen verdrängten Schmerz rüttelt. Ich habe mich nie mit materiellen Dingen oder billigen Oberflächlichkeiten abspeisen lassen – damit konnten sie bei mir schlichtweg nicht landen.

Doch in dem Moment, als ich mir einfach nur ein bisschen von dem Halt und der echten Verbindung zurückwünschte, die für mich selbstverständlich waren, zogen sie ganz plötzlich doch lieber ihren Schwanz ein. Dass dieser tiefe emotionale Rückhalt auch mal in meine Richtung fließen sollte, stand nie auf ihrem Plan. Oft genug musste ich mir dann anhören, ich sei ‘schwierig’ oder ‘komisch’, nur weil mir ein echtes Gespräch wichtiger war als alles andere. Aber die Wahrheit ist: Für diesen Tiefgang hatten sie schlichtweg nicht die Eier.

Es fing meistens damit an, dass die intensive Nähe seltener und der Kontakt immer unzuverlässiger wurde – bis sie sich schließlich wortlos aus dem Staub machten. Von heute auf morgen wurde mir jeglicher Kontakt verweigert, als hätte es mich nie gegeben.

Und jedes Mal war es wieder dieser eiskalte Schock. Obwohl ich diese Masche eigentlich schon in- und auswendig kannte, hatte ich eben doch jedes Mal gehofft, dass es diesmal anders läuft. Aber am Ende saß ich wieder da und musste der Tatsache ins Auge sehen: Denen war es völlig egal, wie ich mich fühle. Die waren so in ihrem eigenen Egoismus gefangen, dass sie sich null Gedanken darüber gemacht haben, was sie bei mir eigentlich anrichten. Ich durfte nur die Lücken füllen, mit denen sie selbst nicht klarkamen. In Wahrheit war ich für sie nämlich eher die emotionale Notaufnahme – nur das Pflaster für die Wunden, die sie sich woanders geholt hatten.

Dieses Verschwinden war aber nie endgültig. Sie ließen mich nie ganz los, weil sie auf Dauer scheinbar doch nicht ohne meine bedingungslose Wärme konnten. Sie kamen und gingen, wie es ihnen gerade in den Kram passte. Oft war monate- oder sogar jahrelang Funkstille, nur um dann plötzlich wieder auf der Matte zu stehen, wenn sie gerade mal wieder Redebedarf hatten oder ihnen nach einer ordentlichen Portion meiner Fürsorge zumute war. Das Beste daran: Sie taten dann so, als wäre es das Normalste der Welt – völlig egal, wie lange sie mich vorher ignoriert hatten. Sie sind immer genau dann wieder angekrochen, wenn ihr Ego einen Knacks abbekommen hatte oder ihre harte Fassade für einen Moment bröckelte. Meistens waren sie in diesem Zustand völlig benebelt, total weggetreten oder emotional so am Ende, dass sie gar nicht mehr anders konnten.

Und plötzlich war ich auch nicht mehr ‘zu komisch’ oder ‘zu schwierig’ – in diesen Momenten war ich wieder die ‘Größte und Beste’, die ‘ganz große Liebe’ vom Anfang und die einzige Frau auf der Welt, die sie wirklich versteht. Weil sie mich in ihrem Elend gerade so dringend gebraucht haben, war mein verständnisvolles, sanftes Wesen auf einmal wieder genau das Richtige, um sich bei mir aufzutanken. Und ich war so blöd und bin jedes Mal wieder darauf angesprungen, weil ich mir eingeredet habe, sie hätten jetzt endlich kapiert, was sie an mir haben. Ich dachte wirklich, sie würden mich genauso schmerzlich vermissen und sich so einsam fühlen, wie ich es die ganze Zeit getan habe.

Doch ich wurde nach diesen Momenten extremer Nähe, in denen sie ihren emotionalen Hunger bei mir gestillt hatten, immer wieder eiskalt abserviert. Sie taten einfach so, als wäre als wäre nichts passiert – als hätte es diesen völligen Seelen-Striptease in meinen Armen gar nicht gegeben. Sobald sie ihre Fassade wieder im Griff hatten, war ich ihnen plötzlich wieder ‘zu viel’ und schon ein ganz normaler, regelmäßiger Kontakt war ihnen dann zu anstrengend. Da war die seichte Oberflächlichkeit zu Hause, bei der man nicht so genau hinsehen muss, natürlich viel bequemer.

Richtig ungemütlich wurde es, wenn sie danach plötzlich aggressiv oder beleidigend wurden. Dass ich sie so schwach und klein erlebt habe, war ihnen im Nachhinein so peinlich, dass sie ihren Selbsthass direkt an mir ausgelassen haben. Ich hatte eben ihre tiefsten Wunden berührt – Wunden, für die sie am Ende einfach zu feige waren. Dieses zerstörerische, toxische Spiel hat sich endlos wiederholt, immer nach demselben kaputten Drehbuch.

Viel zu lange habe ich mich wie ein Spielzeug benutzen lassen – und das leider nicht nur emotional. Weil ich den Schmerz der Ablehnung selbst so gut kenne, wollte ich ihn niemand anderem zumuten. Also habe ich mich sogar körperlich zu Dingen drängen lassen, die ich absolut nicht wollte. Wenn ich versucht habe, mal vorsichtig meine Grenzen zu ziehen, kamen so ‘charmante’ Sprüche wie: ‘Das gefällt dir schon noch’,Andere mögen es auch härter’ oder ich solle mich ‘nicht so prüde anstellen’.

Wenn ich radikal ehrlich zu mir selbst bin: Das fühlte sich jedes Mal wie der reinste Missbrauch an. Aber ich habe es über mich ergehen lassen, nur um bloß niemanden zu verletzen. Heute sitze ich hier und frage mich fassungslos: Wer hat eigentlich damals darauf aufgepasst, dass ich nicht verletzt werde? Wer war eigentlich für mich da, während ich damit beschäftigt war, das Ego von Typen zu retten, die mich wie eine austauschbare Ware behandelt haben?

Ich habe den ganzen Dreck nur mitgemacht für diese paar kurzen Momente, in denen sie mal wirklich lieb zu mir waren. Ich habe mich an jedes winzige bisschen Wärme geklammert, als wäre es mein Rettungsanker – auch wenn der ganze Rest eigentlich nur wehgetan hat.

Und natürlich waren da wieder diese Dualseelen-Geschichten, die mir eingeredet haben, alles sei ja nur ein ‘Spiegel’ von mir selbst. Dieser ganze Bullshit hat mir vorgegaukelt, ich müsse einfach nur noch mehr an mir arbeiten, noch mehr heilen und noch mehr aushalten, damit wir am Ende dieses glorreiche Happy End erleben. Ich habe meine Grenzen für ein Märchen geopfert, das mir einreden wollte, dass dieser Schmerz ein Zeichen von besonders tiefer Liebe sei.

Diese ständigen Spielchen auf meine Kosten, dieses ewige Heiß-Kalt, ihre Launen und das unberechenbare Wechselspiel ihrer Gefühle haben mir am Ende einfach die letzte Kraft geraubt. Ich war so damit beschäftigt, ihre Scherben aufzusammeln, dass ich mich dabei selbst völlig zerschnitten habe. Irgendwann war das Maß einfach voll. Mir wurde klar: Ich bin nicht ‘zu komisch’. Ich war nur die Einzige, die den Arsch in der Hose für echte Gefühle hatte, während sie feige weggerannt sind.

Ich bin keine gratis Tankstelle mehr. Ich habe keine Lust mehr auf diese einseitigen Nummern, bei denen ich mein ganzes Herz reinkippe und am Ende nur als seelischer Mülleimer benutzt werde. Wer meine Tiefe nicht verkraftet, hat in meinem Leben nichts mehr zu suchen. Meine Grenzen stehen – und wer damit nicht klarkommt, darf gerne weiterlaufen. Punkt.

Wenn aus Lieblingsmenschen unerwartet Fremde werden

Oberflächliches Zeug oder tausend flüchtige Bekanntschaften sind absolut nicht mein Ding – bei mir gibt es nur einen kleinen, engen Kreis. Aber wer da drin ist, für den gehe ich durchs Feuer. Ich war immer diejenige, die Loyalität nicht nur als schönes Wort vor sich hergetragen, sondern 24/7 gelebt hat – ohne Wenn und Aber.

Wenn jemand schlecht über meine Liebsten geredet hat oder sie unfair behandelt wurden? Dann war ich die Erste, die die Krallen ausgefahren hat. Egal, ob sie jemand respektlos angegangen ist oder die Situation einfach nur mies war – ich bin sofort dazwischengegangen. Ich habe niemals weggesehen, sondern mich ohne zu zögern schützend vor sie gestellt und sie verteidigt, als ginge es um mein eigenes Leben. Nur leider war all das eine reine Einbahnstraße.

Wenn fiese Behauptungen oder die wildesten Schauermärchen über mich die Runde machten, herrschte betretenes Schweigen. Niemand hielt es für nötig, bei dem ganzen Getratsche mal den Mund aufzumachen und die Dinge einfach klarzustellen. Generell schienen sie lieber wegzusehen, wenn ich blöd angemacht wurde – oder haben sich sogar selbst daran beteiligt. Stattdessen wurde die Tatsache, dass ich immer felsenfest zu ihnen stand, oft damit ‘belohnt’, dass man die Seiten gewechselt hat und mich eiskalt hat auflaufen lassen, wann immer ich jemanden gebraucht hätte, der mal laut für mich wird.

Hängen gelassen zu werden, war für mich nichts Neues – ich habe da schon einiges weggesteckt. Aber das hier war noch mal ein ganz anderes Level an Verrat, das ich bis heute nicht verdaut habe: Mein damaliger ‘bester Freund’ – ein Mensch, mit dem ich mich unzertrennlich verbunden fühlte – tauchte von heute auf morgen wortlos ab und verweigerte mir jede Erklärung. Das allein war für mich schon ein absoluter Schlag ins Gesicht, den ich null begreifen konnte. Aber dass er dann plötzlich allen Ernstes mit einer mir sehr nahestehenden Person auf ‘neuen Spezi’ machte, hat dem Ganzen den Rest gegeben. Ausgerechnet die beiden, die sich vorher kaum kannten und nur übereinander gelästert haben, waren plötzlich ein Herz und eine Seele. Ohne mich hätten die sich nicht mal mit dem Arsch angeguckt.

Anstatt mir den Rücken zu stärken und dem ‘Abtaucher’ mal klipp und klar zu sagen, wie verletzend und hinterhältig sein Verhalten ist, wurde lieber dieses falsche Spiel durchgezogen: Bei mir wurde fleißig über ihn hergezogen, nur um im nächsten Moment mit ihm feiern zu gehen. Mir wurde dann auch noch brühwarm serviert, welche Hirngespinste er angeblich über mich verbreitet. Was davon überhaupt stimmte, weiß ich bis heute nicht.

Es hieß sogar, dass er vor seinem ‘neuen Spezi’ einen auf dicke Hose gemacht hat, von wegen er müsse nur mit dem Finger schnippen und ich würde sowieso sofort wieder parat stehen. Jemand, mit dem ich mal unzertrennlich war, hat mich quasi nur benutzt, um vor dem anderen den Coolen zu markieren: Mir wurde von ihrer gemeinsamen Tour aus nur geschrieben, um zu testen, ob ich springe – und als ich reagiert habe, kam natürlich nichts mehr. Ich war echt nur dazu da, sein Ego vor Publikum aufzupolieren. Erst Monate später, als er selbst am Boden war, war ich plötzlich wieder gut genug, um zuzuhören und ihn zu trösten. Da wurde so getan, als wäre nie was gewesen, nur um danach wieder seine Spielchen mit mir zu treiben und sich nur noch dann zu melden, wenn ihm gerade danach war.

Es war ein ewiges Hin und Her, unter dem immer nur ich gelitten habe. Trotz allem war ich noch gutgläubig genug, immer wieder Türen zu öffnen, die schon längst hätten zu sein sollen – weil ich die zwei sehr lieb hatte und mir selbst vorgemacht habe, ihnen würde unsere Freundschaft genauso viel bedeuten wie mir. Dass ich die beiden überhaupt erst zusammengebracht habe und man mich am Ende wortwörtlich links liegen lässt, ist die eine Sache. Aber die ganze Art und Weise, wie das abgelaufen ist – das ist eine Nummer, für die mir bis heute die Worte fehlen.

Dass dieses Vertrauen wieder so ins Leere gelaufen ist, hat mich zutiefst getroffen. Für mich ist dieses bedingungslose Füreinander-Einstehen genau das, was eine echte Verbindung ausmacht – und nichts, was man nur dann zeigt, wenn es gerade passt. Dass andere das so eiskalt wegwerfen können, werde ich wohl nie begreifen.

Es liegt halt in meiner Natur, ‘treu’ zu sein bis zum ‘Gehtnichtmehr’. Selbst wenn ich frisch verliebt war oder neue Bekanntschaften gemacht habe, war es für mich völlig selbstverständlich, dass meine ‘alten Lieblingsmenschen’ niemals das Gefühl bekamen, nur noch die zweite Wahl zu sein. Ich habe sie ganz bewusst an allem teilhaben lassen und dafür gesorgt, dass sie fest an meiner Seite bleiben. Damit bloß keiner auch nur auf den Gedanken kommt nicht mehr wichtig zu sein, nur weil sich in meinem Leben etwas verändert hat.

Umso mehr zieht es mir jedes Mal den Boden unter den Füßen weg, wenn dann dieser krasse Bruch von hundert auf null kommt. Wir waren so ein fester Bestandteil im Leben des anderen, dass ich mir einen Alltag ohne diesen Seelengefährten gar nicht mehr vorstellen konnte. Aber während wir davor noch Tag und Nacht geschrieben und uns ständig getroffen haben, kam auf einmal gar nichts mehr – als hätte plötzlich jemand den Stecker gezogen.

Von heute auf morgen wurde aus dieser engen Verbundenheit ein zähes Hinhalten, das sich wie Kaugummi zog. Jedes Mal, wenn ich nachgefragt habe, was da wirklich los war – nicht aus Neugier, sondern weil mir dieses Wir unendlich viel bedeutet hat –, wurde ich mit einem beiläufigen ‘Ich hab gerade so viel um die Ohren’ abgespeist. Oder es hieß: ‘Ich hab gerade absolut keine Kraft für gar nichts’– meist nur eine willkommene Ausrede, um unterzutauchen und sich nicht erklären zu müssen. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn einem die Person etwas wert ist, hat man verdammt noch mal zwei Minuten Zeit, um sich kurz zu melden, egal was gerade los ist.

Besonders ‘schön’ war es dann zu beobachten, dass für andere Menschen, Hobbys und Vergnügungen sehr wohl Zeit und Kraft im Überfluss da war. Diese exklusive Warteschleife galt anscheinend nur mir. Ich hörte nur noch nach Lust und Laune von ihnen – oder eben genau dann, wenn ich gerade zufällig in den Kram passte. Ich wurde wie ein Notnagel behandelt – fast so, als wäre ich sowieso immer verfügbar, egal wie man mit mir umspringt. Es hat sich oft so angefühlt, als wäre ich nur gut genug, um den Platz freizuhalten, bis jemand Neues um die Ecke kam oder etwas anderes spannender war. Sobald sie etwas Besseres entdeckt hatten, spielte ich absolut keine Rolle mehr.

Statt diesem ewigen Herumdrucksen wäre mir eine klare Ansage direkt ins Gesicht tausendmal lieber gewesen, selbst wenn sie wehgetan hätte. Geradeheraus zu sagen, dass man keinen Bock mehr auf mich hat, wäre zumindest fair gewesen. So hätte ich mir dieses ewige Warten und Hoffen wenigstens sparen können. Anfangs hab ich nämlich echt geglaubt, dass das nur so eine Phase ist und ich ihnen wirklich so viel bedeute, wie sie immer behauptet haben. Mich stattdessen halbe Ewigkeiten mit irgendwelchen Storys hinzuhalten, war schlichtweg charakterlos.

‍ ‍Dahinter steckte wohl die blinde Gewissheit, dass ich im Hintergrund jederzeit abrufbereit bleibe. Es wurde fest eingeplant, dass ich sie ohnehin wieder auffange, sobald sie fallen gelassen werden – und sofort wieder zur Stelle bin, wenn ihr neues Programm langweilig wird oder ihnen gnädigerweise mal wieder nach mir ist. Einfach, weil ich das schon immer so gemacht habe. Ich wurde da komplett für dumm verkauft, weil man dachte, ich checke nicht, was da eigentlich läuft.

All-inclusive ist abgelaufen: Das Wunder der unsichtbaren Freunde

Es war für mich schon immer kaum zu ertragen, wie rau es da draußen oft zugeht und wie kaltherzig unsere ‘lieben Erdenbürger’ miteinander umspringen. Andere Seelchen leiden oder unglücklich zu sehen, schmerzt mich unheimlich tief. Mir war klar, dass ich deren Welt nicht von Grund auf ändern kann. Aber ich wollte zumindest dazu beitragen, dass sie sich für einen Augenblick ein bisschen heller und wärmer anfühlt. Es war einfach das Größte, wenn ich jemandem ein kleines Lächeln oder ein gutes Gefühl schenken konnte.

‍Deshalb habe ich auch immer darauf geachtet, meinen Mitmenschen mit echtem Respekt zu begegnen. Mir war es enorm wichtig, dass sie sich bei mir wertvoll, gesehen und geachtet fühlen. Es wäre für mich unvorstellbar gewesen, jemanden absichtlich zu kränken oder vor den Kopf zu stoßen – das hätte ich mir selbst am wenigsten verziehen. Oft habe ich Rücksicht genommen, wo viele nicht mal hingesehen haben, und habe versucht, zu trösten, aufzuheitern oder einfach nur da zu sein.

Bei mir gab es immer ein offenes Ohr, eine Lösung, den nötigen Schubs in die richtige Richtung oder zumindest eine kleine Ermutigung. Ich besitze wohl die Gabe, das Potenzial und die guten Seiten in Menschen zu sehen, egal wie sie sich nach außen geben. Daher fallen mir Dinge sofort auf, die mir an meinem Gegenüber gut gefallen. Wenn ich dann anspreche, was ich an ihnen so toll finde, meine ich das auch wirklich ernst. Das ist bei mir nicht nur so dahergesagt.

Mir fällt es generell leichter als vielen, eine Person so zu nehmen, wie sie ist – ganz ohne Bewertung oder Schubladendenken. Sollten mir doch mal Ecken und Kanten auffallen, kann ich da ganz gut drüber hinwegsehen, anstatt es ständig zu erwähnen oder jemanden deshalb zu verurteilen. Gerade weil es für mich selbst das Schlimmste war, immer nur erniedrigt und kleingemacht zu werden, ist es mir wichtiger, mein Umfeld stattdessen aufzubauen und den Leuten zu zeigen, was sie draufhaben.

Wenn ich jemandem mein Wort gegeben habe oder auch nur merke, dass ich gebraucht werde, dann bin ich da. Punkt. Mich zur Not auch vollkommen k.o. aufzuraffen, um mein Versprechen einzuhalten oder jemandem beizustehen, ist für mich Gesetz. Zuverlässigkeit gehört für mich immer dazu, egal wie dreckig es mir selbst gerade geht.

Umso mehr tat es weh miterleben zu müssen, für andere nur der Plan B zu sein, den man nach Belieben streichen oder umherschieben kann. Da wurden ausgemachte Treffen ohne mit der Wimper zu zucken über den Haufen geworfen, mit fadenscheinigen Ausreden abgesagt oder ich wurde einfach komplett vergessen. Selbst bei Dingen, die mir schon ewig versprochen wurden, durfte ich mich teilweise Jahre gedulden – falls sich überhaupt mal jemand erbarmte. (Auf vieles hoffe ich bis heute vergeblich.) Sobald es um mich ging, herrschte grundsätzlich Ausnahmezustand. Es war, als hätten sie für mich ein eigenes Zeitkonto, das chronisch im Minus war. Und so wurde ich ganz nebenbei zur unfreiwilligen Meisterin im Warten.

Irgendwann wurde es zur festen Gewohnheit, dass ich als Blitzableiter für alles herhalten musste, was bei ihnen gerade schiefgelaufen ist. Sobald die Laune im Keller war oder die Sicherungen durchgebrannt sind, durfte ich die Ladung Frust und Aggression zielsicher abfangen. Anstatt für den eigenen Mist geradestehen, wurde ich mit Vorwürfen überschüttet, nur weil sie mit sich selbst nicht klarkamen. Diese verbalen Tiefschläge wurden hinterher ganz locker als ‘kleiner Ausrutscher’ wegen Stress abgetan.

Dass ich den emotionalen Scherbenhaufen danach allein wegräumen durfte, schien für alle okay zu sein. Hauptsache, ich war danach wieder die Alte und hab keine Scherereien gemacht – damit war die Sache für sie vom Tisch, ganz egal, wie es in mir drin aussah.
Dabei ist mein Mitgefühl keine Einladung, mich respektlos zu behandeln. Nur weil ich verstehe, warum jemand gerade ausrastet oder überfordert ist, muss ich noch lange nicht den Boxsack spielen.

Anderen unter die Arme zu greifen, passiert bei mir fast schon automatisch. Teilen und Geben waren für mich nie Dinge, über die ich erst groß nachdenken musste. Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe braucht, bin ich einfach dabei – ohne langes Abwägen oder eine Kosten-Nutzen-Rechnung im Hinterkopf.

Doch genau diese Art wurde für die Beteiligten zum perfekten Selbstbedienungsladen. Dort war ich die kostenlose All-inclusive-Station: Das ständige Gratis-Taxi: Wahrscheinlich dachten alle, ich hätte ein unsichtbares gelbes Schild auf dem Dach – so fix, wie ich als dauerhafter Fahrdienst eingeplant wurde. Als Gastgeberin wurden von mir Essen und Getränke rangeschafft, während sich die ‘lieben Freunde’ fleißig bedienten. Sachen herleihen oder extrem locker verschenken? Das war für mich nie ein großes Ding. Ich hab das einfach so gelebt – ohne langes Überlegen.

Eine Gegenleistung oder auch nur mal ein kurzes ‘Was kriegst du von mir?’ – nichts, nada, niente. Das wurde kommentarlos hingenommen, als wäre es Teil der Grundausstattung.Sogar meine Ex-Partner haben das Angebot wohl etwas zu wörtlich genommen und sich gerne mal auf meine Kosten bei mir eingenistet. Als alleinerziehende Mutter hat man ja sonst keine anderen Sorgen, da bietet man natürlich liebend gerne das ‘Rundum-sorglos-Paket’ inklusive Kost und Logis für erwachsene Männer an.

Selbst wenn es finanziell brenzlig wurde, habe ich nicht lange gefackelt und bin sofort eingesprungen – schlichtweg, weil ich niemanden hängen lasse, der gerade in der Klemme steckt. Die Überraschung war dann jedes Mal dieselbe: Gesehen habe ich die verliehene Kohle nie wieder. Mein Geben war grenzenlos, aber deren Nehmen leider auch.

Ich wollte keine Medaille, aber zumindest das Gefühl, dass all das, was ich für unser Miteinander getan habe, nicht bloß als lebenslanges Gratis-Abo abgehakt wird, bei dem der Service am besten auch noch lautlos im Hintergrund funktioniert.

Der eigentliche Aha-Moment kam aber, als ich anfing, mich nicht mehr als selbstverständlich verbuchen zu lassen. Es war fast schon magisch: Seit ich aufgehört habe, jedem hinterherzulaufen, Wünsche blind zu erfüllen und stattdessen meine Grenzen wie eine Festung bewache, geschah das Wunder der unsichtbaren Freunde.

Meine sogenannten ‘Besties’, deren Bedürfnisse ich jahrelang über meine eigenen gestellt habe, sind einfach lautlos verschwunden. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell man für manche Menschen unsichtbar wird, wenn man nicht mehr in das Bild passt, das sie sich von einem gezeichnet haben.

Aber wisst ihr was? Das ist kein Verlust. Es zeigt mir heute unmissverständlich, wer wirklich an meiner Seite steht. Wer nur bleibt, solange ich nützlich bin und alles mitmache, war nie wirklich da. Meine Zeit, meine Energie und meine Loyalität sind heute Geschenke, die ich nur noch denen mache, die wissen, was sie wert sind. Der Rest darf gerne weiter in der Warteschleife hängen – aber diesmal ohne mich.

Vielleicht liegt es ja einfach daran: Ich hab halt von Haus aus ein riesiges Herz. Und so absurd das nach allem auch klingt – diese Eigenschaft, erst mal das Beste in jedem zu sehen, steckt tief in mir drin. Das kriegt man auch nicht so leicht raus. Lange Zeit dachte ich immer, wenn ich nur verständnisvoll und geduldig genug bin, entsteht diese ehrliche, tiefe Verbindung, die ich mir so sehr gewünscht hätte, auch von der anderen Seite.

Ich hatte quasi ein Diplom darin, das Fehlverhalten anderer zu rechtfertigen. ‘Er meint es ja nicht so böse’, ‘Sie weiß es vermutlich halt nicht besser’ oder ‘Man muss ihn verstehen, er hat’s ja selbst so schwer im Leben’ – das waren meine täglichen Mantras, die ich mir so lange eingeimpft habe, bis ich sie fast selbst geglaubt hätte. Und passend dazu gab es von der Seite gerne mal diesen spirituellen Rat, ich solle doch bitteschön ‘immer alles verzeihen’. Ein fantastischer Plan – zumindest, wenn man vorhat, als perfekter menschlicher Fußabtreter zur Verfügung zu stehen.

Ich habe so oft beide Augen zugedrückt, dass ich komplett übersehen habe, wie meine eigenen Grenzen mit dem Bagger niedergemäht wurden. Im Grunde bestätigte diese Duldsamkeit jedem Einzelnen nur, ruhig so weiterzumachen. Eine Lektion, für die ich am Ende teuer bezahlen musste – mit meiner Energie, meiner Zeit, meinem Geld und vor allem mit meinem Herzen.

Aber während ich peinlich genau darauf geachtet habe, dass sich alle anderen geachtet und gesehen fühlen, wurden meine Bedürfnisse und Empfindungen wie lästiges Kleingedrucktes in einem miesen Vertrag behandelt. Ich hab klipp und klar gesagt, wo meine Grenze liegt – aber es wurde beinhart ignoriert. Es war, als würde ich eine glasklare Ansage machen, während die anderen sich demonstrativ die Ohren zuhielten, nur um danach genauso respektlos weiterzumachen wie bisher. Dass ich das alles trotzdem mitgemacht habe, wurde dann auch noch als Einverständnis missverstanden. Meine Worte wurden einfach weggelächelt oder mit einem lässigen ‚Ach, nimm das doch nicht so ernst‘ abgetan. Es war ihnen am Ende offenbar egal, wie ich mich fühle oder ob sie mich mit ihrem Verhalten verletzen.

Wenn es hart auf hart kam, hieß es nur: ‚Ich bin halt so, ich kann mich nicht anders verhalten‘. Das war die perfekte Ausrede, um bloß keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Und solange ich am Ende doch wieder für sie da war, war die Welt für die anderen in Ordnung. Es war eben so schön bequem, jemanden an der Seite zu haben, dessen Grenzen man zwar hört, aber trotzdem jedes Mal wieder überlaufen kann.

Ich bin echt die Letzte, die jemandem ewig was nachträgt. Es hätte mir schon gereicht, wenn nur ein einziges Mal die Einsicht dagewesen wäre, wie sehr mich dieses Verhalten getroffen hat – nur ein einmaliges, aufrichtiges ‚Tut mir leid‘, das wirklich von Herzen kommt. Aber anstatt Größe zu zeigen, kamen immer nur die nächsten billigen Ausreden. Wer sich hinter einem ‚Ich bin halt so‘ versteckt, sagt mir damit nur: ‚Dein Schmerz ist mir egal, ich bin nicht mal bereit, einen Millimeter über mein Verhalten nachzudenken.‘ Dass ihnen meine Sichtweise nicht mal eine ehrliche Entschuldigung wert war, hat am Ende mehr wehgetan als das, was sich davor abgespielt hat. Denen war ihr eigenes Ego letztlich wichtiger als ich – es ging ihnen nur darum, sich bloß nichts eingestehen zu müssen.Ich brauche keine Ausreden und Entschuldigungen mehr für andere zu erfinden – heute höre ich endlich wieder auf mein eigenes Bauchgefühl.



Seit ich mich erinnern kann, war ich immer diejenige, die zur Stelle war. Wenn bei anderen die Welt zusammenbrach, bin ich mitten in der Nacht losgefahren – egal ob es um emotionale Krisen oder handfeste Notfälle ging. Ich habe jedes Drama und jede Drohung ernst genommen und bin so lange geblieben, bis die anderen wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Ich bin eigentlich der Typ Mensch, der alles mit sich selbst ausmacht – um Hilfe zu bitten, ist für mich die allerletzte Option, wenn wirklich gar nichts mehr geht. Und genau in dem Moment, als ich über meinen Schatten gesprungen bin und meine größte Not ausgesprochen habe, wurde mir eiskalt die Tür vor der Nase zugeschlagen: Mir wurde mein eigenes Erleben regelrecht abgesprochen. Besonders bitter wurde es, als ich mich in meiner tiefsten Angst an Menschen wandte, denen ich eigentlich vertraut habe. Ich steckte damals in einer Situation fest, in der ich massiv eingeschüchtert und unterdrückt wurde – ich war wehrlos und hatte buchstäblich Angst um mein Leben. Aber anstatt Unterstützung zu bekommen, wurde meine Not für „nicht vorhanden“ erklärt. Weil nach außen hin ja alles so wunderbar „normal“ wirkte, konnte schließlich nicht sein, was nicht sein darf. Anstatt mir beizustehen, bekam ich nur den Hinweis, ich sei wohl einfach „zu empfindlich“ und müsse eben endlich in Therapie, um mein „Problem“ mit der Realität zu lösen. Es ist schon fast beeindruckend, wie konsequent Menschen wegschauen können, wenn die Wahrheit nicht in ihr schönes Weltbild passt. Meine Wahrnehmung wurde so lange als Irrtum abgestempelt, bis ich irgendwann meinem eigenen Verstand nicht mehr getraut habe. Aber genau an diesem tiefsten Punkt, als ich völlig allein gelassen wurde, ist etwas in mir aufgewacht. Ich habe aufgehört, im Außen nach Erlaubnis für meine Wahrheit zu suchen. Ich habe mir meine eigene Wahrnehmung Stein für Stein zurückgeholt und mich aus dieser Hölle befreit – nicht weil mir jemand geholfen hat, sondern weil ich endlich angefangen habe, meiner eigenen Angst mehr zu glauben als den Lügen der anderen. Es war der Moment, in dem ich beschlossen habe: Nie wieder lasse ich mir von irgendwem sagen, was ich fühle oder was meine Realität ist.

Ein Raum, in dem du niemals „zu viel“ bist.

Dass ich heute mit dieser Festigkeit im Leben stehe, verdanke ich meiner unerschütterlichen Kraft – und nicht zuletzt meinem Sinn für Humor, der mich auch in den dunkelsten Momenten immer wieder hat aufstehen lassen. Ein notwendiger Schritt war die Erkenntnis, dass ich niemals „falsch“ war.

Bei mir wird deine Wahrheit niemals infrage gestellt. Ich begleite dich dabei, das Vertrauen in dein eigenes Gefühl zurückzuholen – diese innere Klarheit, die man dir vielleicht auch lange ausreden wollte. Viel zu lange habe ich auf Menschen gehört, die ihren eigenen Mangel an Selbstwert oder ihre eigene Unzufriedenheit dadurch kompensierten, mich klein zu machen. Heute weiß ich: Diese Fähigkeit, alles so intensiv zu spüren, ist kein Fehler im System – sie ist meine größte Gabe und mein wertvollstes Werkzeug. Heute weiß ich: Dass ich mir meine Weichheit trotz all dieser Kälte bewahrt habe, erlaubt mir, dir heute genau die Wärme zu geben, die mir damals so sehr gefehlt hat. Ich kenne das Gefühl, wenn die Welt um einen herum stumm wird, während man selbst innerlich zerbricht. Deshalb ist meine Begleitung für dich kein kühles Gespräch, sondern ein Ort, an dem du mit allem, was dich schmerzt, wirklich willkommen bist. Ich möchte für dich der Mensch sein, der nicht wegsieht, wenn es dunkel wird, sondern der einfach mit seinem ganzen Herzen bei dir bleibt Früher hat mich diese Wucht oft überwältigt, aber heute weiß ich: Es ist meine größte Gabe. Ich muss nicht raten, wie es dir geht – ich nehme dich auf einer Ebene wahr, die weit über Worte hinausgeht.

Mein „Zu-Viel“ an Gefühl erlaubt mir heute, dich wirklich zu verstehen, ohne dass du viele Worte finden musst. Ich stelle dir heute genau das zur Verfügung, was ich mir selbst immer gewünscht hätte: Echtes Mitgefühl, Wärme, eine feine Wahrnehmung für deine Zwischentöne und einen Raum, in dem du niemals „zu viel“ oder „zu empfindlich“ bist.